Eine neue Liga ist wie ein neuer Tresen

So, der Abstieg ist inzwischen verarbeitet, ein neuer Trainer, neue Spieler und ne neue (häßliche) Dauerkarte schreien ganz laut, dass die neue Saison, diesmal wieder in der zweiten Liga, auf uns warten.

Was liegt also näher als ein Ausblick auf die neue Saison. Doch wie anfangen? Eine sportliche Vorschau? Nö, dafür werden zur Zeit noch zu viele Spieler ge- und verkauft, zudem wissen wir ja als St.Pauliander das das alles mit Fußball nix zu tun hat. Eine Fan-Vorschau? Och nö, dafür sind die Printmedien doch schon zuständig, die von Prügelliga und Co sprechen. Also dachte ich mir einfach ein Ausblick für die Auswärtsfahrer unter uns…was für Bier erwartet uns in den Stadien und Arenen in der neuen Liga.

Wenn man dem Selbstverständnis der Brauereien glauben darf steht der erste Aufsteiger schon fest, und zwar der MSV Duisburg. Schließlich haben die Zebras sich „Den König der Biere“ geschnappt, im Stadion erwarten uns Königs Pilsener. Was jedoch das Motto „heute Emotionen pur“ mit dem MSV zu tun hat bleibt mir schleierhaft, da hätte ich andere Clubs im Hinterkopf.

Geht es nach der Titulierung des Bieres kann man dann davon ausgehen, dass die Duisburger mit dem Ex-Club unseres neuen Trainers eine innige Freundschaft pflegen. Duisburg und SC Paderborn,  wieso das? Klare Erklärung, nach dem König folgt die Königin, in Paderborn droht uns Warsteiner Pilsener, die Königin unter den Bieren. Auf deren Homepage wird groß mit der gläsernen Brauerei geprahlt…wieso dann jedoch noch niemandem aufgefallen ist, dass Warsteiner ne absolute Plörre ist kann ich auch nicht erklären. Immerhin scheint es in Paderborn auch noch Paderborner Gold zu geben, dann lieber ein Möchte-Gern-Biermixgetränk als Warsteiner.

Sportlich gesehen sehen sich ja die Verantwortlichen der Frankfurter Eintracht als die Könige der Liga, Aufstieg als klare Pflicht. In der Commerzbank-Arena (sic!) darf sich dann der jeweilige Gegner die Spiele mit Licher schöntrinken. Licher wiederrum wirbt mit dem Slogan „Reinheit, Frische, Natürlichkeit“. Oh man, wie passend. (Ironiemodus off). Dass sie laut eigener Aussage die Nummer 1 Hessens sind sieht man beim zweiten Frankfurter Club sicherlich anders.

Nicht nur was den Verein angeht, auch beim Bier find ich den Auftritt des Bieres beim FSV Frankfurt weit sympatischer. Beim FSV gibt es Binding Römer Pils zu trinken. (Slogan hat zwar was von Sido „Meine Stadt. Mein Bier. Mein Binding….fehlt noch mein Block, aber okay). Nett zu lesen das Lebensmotto des Brauereigründers Conrad Binding „Rastvoll vorwärts musst Du streben, Nie ermüdet stille stehen, Willst Du die Vollendung sehen“. Schakka. Zudem mein persönlicher Tipp, auf der Binding-Seite gibt es Rezepte Kochen mit Bier. Prost und guten
Appetit.

Das Gegenteil zu Bindung erwartet uns beim FC Ingolstadt. Das Stadionbier nennt sich (auf der Homepage selbst bescheiden HERRLICHES) Herrenbräu. Spannende oder nützliche Informationen hier leider Fehlanzeige, aber in Ingolstadt würde man wohl auch AUDI saufen, wenn es möglich wäre….mehr gibt es da einfach nicht!

Bleiben wir im Süden der Republik, bei den Blauen aus München. Und nein, leider erwartet uns hier nicht das Augustiner Edelstoff…auf jeden Fall nicht im Stadion. Dort erwartet und das Bier mit dem martialischen Namen Hacker Pschorr. Ich weiß nicht, ich finde dieser Name klingt einfach hart…auf deren Seite angekommen wird dann mit „Himmel der Bayern“ geworben…unlautere Werbung nennt man sowas, was für Weichflöten. Aber immerhin lernt man, dass es das erste Münchner Bier mit Bügelverschlussflasche war. Hättet Ihr es gewusst?

Von München ist es dann nicht weit nach Nürnberg, sorry nach Fürth. Hoffen wir mal wieder auf ein spätes Saisonspiel bei Greuther Fürth, denn bekanntlich steigen wir in Franken besonders gerne auf. Gefeiert wird dann mit Tucher. Geworben wird mit dem Spruch „Beim Bier macht uns Franken keiner was vor“. Und damit Otto Normalverbraucher das auch glaubt präsentiert man stolz die 9 goldenen Preise 2011 der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, die Licher für ihre Biere bekommen hat. Nicht erwähnt wird, ich habe mal recherchiert, das diese Auszeichnung 2011 glatte 424 mal in Gold vergeben wurde.

Von Franken nach Baden, zum Karsruher SC. Hier dürfen wir mit Lelle, der hier seine neue sportliche Heimat gefunden hat mit Rothaus auf unseren Sieg anstossen, ein Bier aus der Badischen Staatsbrauerei. Klingt toll, oder? Spannender finde ich jedoch das die Brauerei aus dem Schwarzwald seinen Ursprung nah dem Benedikterkloster St.Blasien hat…da soll die katholische Kirche nochmal sagen die hätten von nix gewusst.

Wechseln wir also besser die Region, ich sage Willkommen im Ruhrgebiet. Genau, es wartet der VFL Bochum, und mit dem Willkommensgruß wirbt die Privatbrauerei Moritz Fiege. Dazu Sätze wie „Leidenschaft für Bierkultur“ oder „Gutes Bier ist eine Frage des Charakters“ machen diesen Gerstensaft für mich erstmal sympatisch.

Paar Km weiter dann Düsseldorf, die Fortuna. Und da Altbier bekanntlich doof macht (auch wenn es lecker ist) hat Biersponsor Frankenheim dann auch nen Vogel. Slogan „nur echt mit dem Falken“…einen großen Vogel.  Gefallen hat mir hier auch die Firmenphilosophie: „Nichts ist so gut, dass man es nicht verbessern kann.“ Merken, Herr Schubert!

Auch geographisch noch in der Ecke, die Alemania aus Aachen. Und hier haut man richtig auf die Kacke, hat man sich doch den offiziellen Premium-Partner des DFB, Bittburger geschnappt. Naja, wenn man dauerhaft Zweite Liga spielt bekommt man vielleicht so etwas vom Hauch des großen Fußballs mit. Besonders stolz ist man bei den selbsternannten Grill-Giganten übrigens auf die besten Trageigenschaften des formschönen handlichen Bitburger-Kastens.

Damit kann man beim Aufsteiger aus Braunschweig nicht dienen. Auf der Homepage des Bieres Wolters Pilsener erblickt man sofort einen mächtigen Löwen mit Eintracht-Schal. Naja, über Geschmack kann man sich also doch streiten. Was ich auf der Wolterseite noch gefunden habe war intellektuell. Im Logo des Bieres findet man zwei Sprüche.
1.nec aspera terrent, heißt in etwa sie fürchten keine Rauheiten und
2.immota fides, was heißt in unerschüttlicher Treue.
In Braunschweig warten also nicht nur Vollpfosten auf uns, sondern absolute Klugscheisser.

Bleiben nur noch die neuen Bundesländer, anfangen tu ich mal mit den Eisernen aus Berlin. Hier gibt es, natürlich, Berliner Pilsener zu trinken. Dort gibt es weniger zu informieren, man hängt sich sehr an dem aus TV bekannten Werbespots auf. Schöneberg feinherb, Friedrichshain spritzig und eben fürs Auswärtsspiel Köpenick prickelnd. So wie die Stimmung in der alten Försterei.

Schmunzeln musste ich bei Energie Cottbus, besser natürlich bei der zugehörigen Biermarke, die mit dem Slogan „Willkommen im Norden des Internets“ wirbt. Cottbus…Norden? Was habe ich denn verpasst? Oder, dort gibt es Lübzer zu trinken, nun macht der Slogan auch einen Sinn, aber witzig fand ich es trotzdem. (das es Lübzer auch bei einem nicht näher genannten Provinzverein aus McPom gibt halte ich für weniger erwähnenswert, zum einen wird es bei unserem Spiel eh keines geben, zum anderen redet man nicht über jeden)

In Dresden dagegen bekommen wir das Pilsener aus der Brauerei, die als erste in Deutschland Bier nur nach Pilsener Brauart braut und noch bis heute braut. Na, wer hat es erkannt. Genau, es gibt Radeberger zu trinken. Aber weder Radeberger, der Slogan und das genau das Bier das Kanzlerbräu für Otto von Bismarck war macht wett das Dynamo einfach ein Drecksclub ist.

Wer aber glaubt Dynamo wären die Härtesten der Liga, der irrt. Nein, dieser (Bier)titel geht an Erzgebirge Aue. Hier gibt es Hasseröder, und im Gegensatz zu allen anderen besuchten Seiten die ab 16 Jahre zugänglich sind soll man hier mindestens 18 Jahre alt sein. Denn nur echt Männer (und das ist jetzt keine Machoscheiße von mir) sind hier richtig, denn Hasseröder wirbt mit der Teilnahme am Hasseröder Männer Camp, ein Ort an dem Mann noch richtig Mann sein kann…oh ha. Schön auch der Spruch „Gutes Bier brauen ist eine Disziplin für sich. So wie Fußball.“

Und so schließt sich der Kreis. Trotz der bunten Palette geht es doch wieder um Fußball, und egal wie gut oder schlecht die jeweiligen Biere uns schmecken werden…am Ende hoffen wir auf eine verdammt erfolgreiche Saison unseres FC St.Pauli…was dagegen?